Die Zukunft des Wohnens (1)

DIE ZUKUNFT DES WOHNENS (1)

Die Fragen wo und wie die Menschen künftig  wohnen werden, sind ein aktuelles Thema der Zukunftsforscher. Auch jeder einzelne fragt sich in Anbetracht der demografischen und wirtschaftlichen Entwicklung, wie Wohnen, Arbeiten, Versorgung und Freizeit in den kommenden Jahren zusammenfinden. Was erwarten die Menschen von der unmittelbaren Umgebung?

Wie müssen die Gestaltungselemente vom Möbel über die Beleuchtung bis hin zu Wand und Fenster funktionieren?  Spannend sind dabei die Interessen- und Bedürfnisunterschiede zwischen Jung und Alt oder Mehrpersonen- und Singlehaushalt.

Um den Wandel zum Wohnen der Zukunft zu verstehen, lohnt sich ein Blick um gute 200 Jahre zurück:

„Neben vielen anderen Elementen der bürgerlichen Kultur, die seit dem Ende des 18. Jahrhunderts Konturen gewannen, war eine Idee für den Lebensalltag der Menschen von besonders entscheidender Bedeutung: dass ein ‚trautes Heim‘ die emotionale Lebensmitte der Familie sein solle – eine Insel vollständiger Privatheit und intimer Geborgenheit.“ Einher ging mit dieser Familienform, dass sich die Sphären Arbeit und Privatheit weitestgehend trennten, sich letztendlich an unterschiedlichen Orten manifestierten. Ein neues territoriales Verständnis bildete sich heraus, mit dem Fokus auf die Utopie des privaten Lebensraums.

Die Lebensumstände im 18. und 19. Jahrhundert ließen aber nicht zu, diese aufkommende Sehnsucht voll zu befriedigen. Viele Menschen lebten eher in kleinen Kammern als in eigenen Wohnungen. Das Untermieter- und „Schlafgängerwesen“ war gang und gäbe. Manchmal teilten sich bis zu drei Schlafgänger im Schichtbetrieb ein Bett. So verfügte in Wien zur Mitte des 19. Jahrhunderts mehr als ein Drittel der Bevölkerung nicht über eine eigene Wohnung. Dies überrascht allerdings nicht, wenn man sich vor Augen hält, dass sich die Bevölkerungszahl Wiens im Laufe des 19. Jahrhunderts versiebenfachte. Wohnen außer Haus etablierte sich.

Im 19. Jahrhundert war das Konzept des „Ganzen Hauses“  noch sehr verbreitet. In diesem wohnten die gewerbetreibende Familie, das  Dienstpersonal, Lehrlinge und Knechte. Nur wenige Menschen hatten wirklich eine eigene Wohnung. Das Leben fand meist im öffentlichen Raum statt. Um der Enge der Wohnungen zu entfliehen – eng nicht zuletzt, da auch noch die dunkelste und kleinste Kammer untervermietet wurde – , gingen Frauen, Männer und Kinder nach draußen. Das Leben spielte sich vielfach in Hauseingängen und Höfen, in Kneipen und Läden um die Ecke oder auf der Straße vor dem Haus ab.

Heute erleben wir, wie sich neben Wohnung und Arbeitsort routinemäßig genutzte Lebensräume etablieren:

Cafés, Einkaufszentren, Sportstudios, Kinos… Wenn auch das Motiv heute ein ganz anderes ist, der Effekt ist den früheren Zeiten sehr ähnlich: Man hält sich nicht primär in der Wohnung auf, sondern nutzt „andere“ Orte, um auch dort zu „wohnen“. Der Mensch eignet sich den öffentlichen Raum an und erlebt auch dort Privatheit. Galt im 19. Jahrhundert diese ausgelagerte Raumnutzung eher der Bewältigung bestimmter Tagesprobleme, so ist die moderne Variante mit der individuellen Freiheit der Lebensplanung zu begründen.

Heute „entterritorialisiert“ und „entzeitlicht“ sich das Wohnen, wobei es sich an unterschiedlichen Orten mit verschiedenen Zielen ansiedelt . Dabei bleibt aber eines bestehen:  Auch zukünftig gibt es einen Ort, auf den wir uns beziehen, wenn wir vom Wohnen sprechen. Die Bedeutung dieses Ortes hat sich jedoch gewandelt. Er ist ein vernetzter Multifunktions-Ort geworden.

Moderne Haushalte brauchen Internet und Anschluss an die öffentliche Mobilität, ein großes Jobangebot, Freizeitmöglichkeiten und Kultureinrichtungen um sich herum,  Shopping inklusive. Das ist es, was Wohnen heute und in Zukunft ausmacht: Alle Lebensbedürfnisse sollen so nah wie möglich an dem Ort dran sein, den man „seine Wohnung“ nennt, weshalb viele Menschen nach wie vor in die Städte wandern.

Nicht umsonst beschäftigt sich diese Studie auch ausführlich mit den Phänomenen der Urbanisierung, weil Wohnen in Zukunft eben bedeutet, Wohnraum auszulagern und sich das Umfeld anzueignen.

Projekt „Bewusst Wohnen“  EFRE – Europa fördert Sachsen (Quelle: Studie „Zukunft des Wohnens“)

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